Surfen & Sicherheit

Wipeouts richtig überstehen: So bleibst du ruhig und sicher

Redaktion Oxosurf

Surfer verliert im Weißwasser das Gleichgewicht, das Brett kippt unter ihm weg

Der Take-off sitzt nicht, die Kante gräbt sich ein, und plötzlich bist du nicht mehr auf der Welle, sondern in ihr. Es wird laut, dann dunkel, dann ist oben und unten nicht mehr zu unterscheiden. Das ist ein Wipeout — und er gehört zum Surfen wie das Rauspaddeln.

Der Unterschied zwischen einem harmlosen und einem gefährlichen Sturz liegt selten in der Wellengröße. Er liegt darin, was du in den drei bis acht Sekunden danach tust.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht gegenwehren. Die Welle ist stärker. Wer strampelt, verbraucht den Sauerstoff, den er gleich zum Auftauchen braucht.
  • Klein machen, Kopf schützen. Arme über den Kopf, Kinn an die Brust. Die häufigste Verletzung ist das eigene Board.
  • Ausatmen erst kurz vor dem Auftauchen. Wer sofort ausatmet, hat unten keine Reserve mehr.
  • Kontrolliert hochkommen. Erst Hand über den Kopf, dann der Kopf — nicht umgekehrt.
  • Der zweite Atemzug ist der wichtige. Nach dem Auftauchen kommt oft schon die nächste Welle.

Was unter Wasser wirklich passiert

Eine brechende Welle schiebt nicht nur nach vorn. Sie dreht. Wer in die Turbulenz gerät, wird nicht einfach unter Wasser gedrückt, sondern in einem Wirbel bewegt — vor, zurück, hoch, runter. Diesen Zustand nennen Surfer die Waschmaschine, und der Name trifft es genauer als jede Beschreibung.

Zwei Dinge folgen daraus.

Erstens: Orientierung geht verloren. Unter Schaum ist es hell in alle Richtungen, es gibt kein sichtbares Oben. Der Reflex, sofort loszuschwimmen, ist deshalb der schlechteste — er kann genauso gut nach unten führen.

Zweitens: Gegenwehr kostet Luft. Die Turbulenz einer gebrochenen Welle dauert bei normalen Bedingungen wenige Sekunden. Wer diese Sekunden ruhig aussitzt, hat danach mehr Reserve als jemand, der sie durchgekämpft hat.

Wie eine Welle bricht und warum manche Formen deutlich unangenehmer sind als andere, steht unter Wellenarten erklärt.

Der Moment vor dem Sturz

Ein Wipeout beginnt oben, nicht unten. Wer merkt, dass der Take-off nicht mehr zu retten ist, hat noch eine halbe Sekunde, um zu beeinflussen, wie er ins Wasser kommt.

  • Flach fallen, nicht kopfüber. Über einem Riff oder einer Sandbank ist ein Sprung mit den Füßen voran und angezogenen Beinen das Sichere. Kopfvoran zu tauchen ist der Weg, auf dem sich Surfer die Halswirbelsäule verletzen.
  • Vom Board weg. Das Brett hat einen Leash, es kommt zurück. Aber es soll nicht dorthin kommen, wo dein Kopf ist. Ein bisschen seitlich abzuspringen genügt.
  • Luft holen, wenn es noch geht. Kein tiefes Pressen — ein normaler Atemzug. Voll gefüllte Lungen erzeugen Auftrieb, den du in der Turbulenz nicht steuern kannst.

Unter Wasser: klein bleiben, Kopf schützen

Sobald du drin bist, gilt eine Haltung: Arme über den Kopf, Unterarme an die Schläfen, Kinn Richtung Brust, Körper eher eingerollt als gestreckt.

Das schützt genau die Stelle, an der die meisten Verletzungen entstehen. Nicht die Welle trifft dich — dein eigenes Board tut es, wenn die Leash es zurückschnellen lässt. Deshalb ist die Deckung wichtiger als jede Schwimmbewegung.

Bleib in dieser Haltung, bis die Bewegung nachlässt. Sie lässt nach, und zwar spürbar: Der Druck wird geringer, das Getöse leiser, der Wirbel verliert an Kraft. Das ist das Signal.

Wer im Wasser Panik bekommt, verbraucht in wenigen Sekunden die Luft, die für zwanzig gereicht hätte. Ruhe ist hier keine Charakterfrage, sondern eine Technik — und sie lässt sich üben, bevor man sie braucht.

Wie sich diese Ruhe gezielt trainieren lässt, steht unter Atemtechnik beim Surfen.

Auftauchen — aber richtig

Wenn die Turbulenz nachlässt, willst du hoch. Zwei Dinge in dieser Reihenfolge:

  1. Eine Hand nach oben, Handfläche über den Kopf. Sie ist dein Fühler. Trifft sie auf das Board oder auf Widerstand, weißt du es, bevor dein Kopf es weiß.
  2. Der Leash zeigt die Richtung. Am Fuß hängt eine Schnur, an deren Ende ein schwimmendes Board hängt. Wer ihr folgt, findet nach oben — verlässlicher als jedes Gefühl im Schaum.

Tauche nicht mit voller Kraft auf. Ein Kopf, der schnell aus dem Wasser schießt, trifft ein Board härter als einer, der langsam hochkommt.

Wenn du merkst, dass du nicht durchkommst: Das ist die Ausnahme, nicht die Regel. In der überwiegenden Zahl der Fälle hält der Sturz kürzer, als er sich anfühlt. Zeitgefühl unter Wasser ist unzuverlässig, und zwar immer in dieselbe Richtung — es fühlt sich länger an, als es war.

Der zweite Atemzug

Oben angekommen, ist es noch nicht vorbei. Hinter der Welle, die dich erwischt hat, steht meistens die nächste. Deshalb:

  • Sofort orientieren: Wo ist das Board, wo ist das Weißwasser, wo sind andere Surfer?
  • Kurz und ruhig atmen, nicht hektisch nach Luft schnappen. Hektisches Atmen bringt weniger Sauerstoff, nicht mehr.
  • Board zu dir ziehen, nicht hinterherschwimmen. Der Leash ist dafür da.
  • Wenn die nächste Welle schon steht: Board seitlich halten, nicht zwischen dich und die Welle bringen, und den nächsten Sturz genauso ruhig nehmen wie den ersten.

Wer sich hier hetzen lässt, gerät in die Kette, aus der die unangenehmen Sessions bestehen: Sturz, kein Atemzug, nächster Sturz.

Wo Wipeouts wirklich gefährlich werden

Die meisten Stürze sind harmlos. Es gibt aber Bedingungen, unter denen sie es nicht sind — und die kann man vorher erkennen.

Flaches Wasser. Über einem Riff oder einer flachen Sandbank ist der Grund das Problem, nicht die Welle. Hier gilt: flach fallen, Füße voran, nie kopfüber.

Starke Strömung. Wer nach dem Auftauchen feststellt, dass er versetzt wurde, sollte den Grund kennen. Was ein Brandungsrückstrom ist und wie man aus ihm herauskommt, steht in einem eigenen Beitrag.

Volles Line-up. Ein Sturz mit anderen Surfern in der Nähe ist ein Sturz, bei dem zwei Boards unterwegs sind. Die Vorfahrtsregeln sind auch deshalb Sicherheitsregeln.

Zu große Wellen für das eigene Level. Das ist der ehrlichste Punkt. Ein Wipeout in kopfhohen Wellen ist etwas anderes als einer in doppelt kopfhohen — die Turbulenz dauert länger, die Kraft ist eine andere, und die Technik aus diesem Beitrag stößt an ihre Grenzen. Die Entscheidung, an so einem Tag nicht reinzugehen, ist keine Schwäche, sondern die richtige Anwendung derselben Überlegung.

Was du sonst noch tun kannst, damit es gar nicht erst brenzlig wird, steht unter Surfen sicherer machen und typische Surfverletzungen vermeiden.

Üben, bevor du es brauchst

Ein Wipeout lässt sich nicht ohne Weiteres simulieren. Was sich üben lässt, ist der Zustand darin: unter Wasser sein, ohne dass der Puls hochgeht.

  • Im Weißwasser bleiben, statt auszuweichen. Kleine, gebrochene Wellen sind die Übungsumgebung — die Turbulenz ist echt, die Kraft überschaubar.
  • Ruhig unter Wasser bleiben, im Becken. Ein paar Sekunden entspannt untergetaucht bleiben, ohne Leistungsdruck. Es geht nicht um eine Bestzeit, sondern darum, dass Untertauchen sich normal anfühlt.
  • An Land an der Atmung arbeiten. Die Atemtechnik ist der Teil, der sich unabhängig vom Wetter trainieren lässt.

Wichtig dabei: Apnoe-Übungen nie allein. Wer im Wasser an seine Grenze geht, braucht jemanden daneben, der zusieht. Das ist keine Vorsichtsformel, sondern der Grund, warum es in dieser Disziplin überhaupt Sicherheitsregeln gibt.

Zusammengefasst

Ein Wipeout ist kein Fehler, sondern ein Bestandteil. Wer viele Wellen fängt, stürzt viel — das lässt sich nicht trennen.

Was den Unterschied macht, sind drei Reflexe, die man sich antrainieren kann: nicht gegenwehren, den Kopf schützen, kontrolliert auftauchen. Sie kosten nichts, funktionieren in kleinen wie in großen Wellen und werden mit jedem Sturz selbstverständlicher.

Und der Rest ist Ehrlichkeit gegenüber den Bedingungen: In Wellen, in denen ein Sturz dich länger unten hält, als dir wohl ist, gehst du besser nicht raus.

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